Hintergrund, Ziele und Vorhaben
Mathematik spielt in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und der wirtschaftlichen Praxis eine immer wichtigere Rolle. Insbesondere werden mathematische Modelle entwickelt und angewendet; sie bilden die Grundlage für quantitative Analysen und Optimierungsprozesse. Mathematik und Statistik sind deshalb zentrale Pflichtmodule wirtschaftswissenschaftlicher Curricula.Studienanfänger/innen der Wirtschaftswissenschaften bringen sehr heterogene kognitive und motivationale Voraussetzungen mit ins Studium. Große Unterschiede in den mathematischen Kenntnissen und Fähigkeiten werden durch ebenso große Unterschiede in Einstellungen, Erwartungen und Arbeitsverhalten begleitet; weiterhin bestehen allgemein große Defizite in der methodischen Vorbereitung auf das universitäre Studium. Daraus resultieren gravierende Problemlagen in der Studieneingangsphase.
Die AG WiWi-Math verfolgt das Ziel, aufbauend auf einer qualifizierten Analyse dieser Problemlagen Interventionen zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren, die zu besseren Studienergebnissen führen. Dazu sollen an den beiden Universitäten bereits vorhandene Konzepte aufgegriffen, verbunden, weiterentwickelt und optimiert werden. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Studienfächer und Universitäten wird geprüft. In zwei neuen Projekten fokussiert die AG WiWi-Math auf die Förderung von Lern- und Arbeitsstrategien zur Entwicklung von Methodenkompetenz sowie auf Persönlichkeitseigenschaften wie Selbstwirksamkeitserwartung. Zur Vorstellung der AG WiWi-Math gibt es ein Poster.
Teilprojekt 1: Förderung von Lern- und Arbeitsstrategien im Fach Wirtschaftsmathematik
Ziel dieses Projektes ist es, Instrumente zur Stärkung der allgemeinen und fachbezogenen methodischen Kompetenz der Studienanfänger innerhalb der mathematischen Grundlagenveranstaltungen zu entwickeln bzw. zu verallgemeinern. Das Projekt knüpft an sehr gute Erfahrungen an, die an der Universität Paderborn mit dem „ECOMATH“-Konzept der wirtschaftsmathematischen Grundlagenausbildung gewonnen wurden. Dieses Konzept verbindet die curricularen Lehrformen mit einem abgestimmten System fakultativer Zusatzangebote. Speziell das zugehörige Mentorensystem ECOMent gewährleistet eine intensive individuelle Betreuung und Beratung der Studierenden. In der fakultativen Projektgruppe ECOStud wird von Lehrenden und Studierenden gemeinsam untersucht, mit Hilfe welchen Maßnahmen sich die Effizienz des Selbststudiums der Studienanfänger deutlich steigern lässt. Dazu werden effizienzsteigernde Studienmethoden in einer Kleingruppe erprobt und deren Wirksamkeit analysiert. Diese Vorgehensweise hat bereits zu sehr interessanten Erkenntnissen und lehrwirksamen Veränderungen geführt. Weiterhin hat sie die Hypothese bestätigt, dass die tieferen Ursachen vieler Probleme mit dem Studium nicht in der „zu schwierigen Mathematik”, sondern vielmehr in einer unangepassten Selbststudientechnik liegen. Im Teilprojekt 1 sollen diese Untersuchungen wissenschaftlich verbreitert und vertieft werden; die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Teilprojekt 2: Heterogenität der mathematischen Vorkenntnisse und Selbstwirksamkeitserwartungen von Studienanfänger/innen in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen
Gegenstand des Projektes sind Selbstwirksamkeitserwartungen (nach Bandura) der Studienanfänger/innen in Bezug auf die eigenen mathematischen Kenntnisse und damit zusammenhängende Variablen wie Motivation, Interesse, Einstellung, Selbsteinschätzung, Lernstrategien und Arbeitsverhalten. Anhand von Eingangstests, Zwischentests und Fragebögen sollen diese Variablen erfasst werden und auf ihren Zusammenhang zur Leistung und Leistungsentwicklung untersucht werden. Ausgehend von den gewonnenen Daten und Erkenntnissen werden zielgruppenspezifische Lehrinnovationen entwickelt, eingeführt, ausgewertet und verglichen. Es handelt sich dabei sowohl um Veränderungen des bisherige Lehrangebots als auch um ergänzende neue Lehrangebote. Einige Beispiele für mögliche Interventionen: Veränderung des bestehenden Angebots, Vorkurs umstrukturieren (inhaltlich und methodisch), Übungsaufgaben überarbeiten, Zusammensetzung der Tutoriums-Gruppen, Struktur der Tutorien (methodisch).
Als zusätzliche Angebote sind zu nennen: Workshop Lernstrategien/ Methodenkompetenz, Zusätzliches Übungsmaterial mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus, Selbsttests, eLearning- Angebot (Erklärungen, Übungsaufgaben, Tests), Tutoren-Sprechstunde, Test zur Klausurzulassung/Probeklausur, Abgabe von Aufgabenzetteln, Themenbezogene Workshops.
Assoziiertes Projekt: ECOStud
ECOStud ist ein Projekt, in dem Lehrende und Studierende in einer fakultativen Projektgruppe gemeinsam untersuchen, wie durch zielorientiertes Training von Selbststudientechniken bessere Studienerfolge erzielt werden können.
Die Projektgruppe mit 25 TeilnehmerInnen gehört zum fakultativen Begleitangebot der Kurse zur "Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler" an der Universität Paderborn. Die Projektarbeit verbindet ein gezieltes methodisches Training mit einer sorgfältigen Analyse individueller Arbeits- und Denkmethoden und deren Veränderung unter dem Einfluss des Methodentrainings. Dazu wechseln gruppenbezogene Trainingsphasen mit individuellen Interviews ab. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse nützen nicht allein den unmittelbar am Projekt Beteiligten, sondern werden in der breiten Lehrpraxis berücksichtigt. Zugleich werden Fragen identifiziert, die einer weitergehenden wissenschaftlichen Untersuchung bedürfen.
Prof. Dr. Hans M. Dietz (TP1, ECOStud)
PD Dr. Rainer Voßkamp (TP2)
Angela Hiller (TP2)
Anja Panse (TP1)


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