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Universität Kassel
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Foto: Adelheid Rutenburges

Arbeitsweisen und Lernstrategien im Mathematikstudium

Robin Göller, Universität Kassel
Betreuer: Prof. Dr. Hans-Georg Rück

Kurzbeschreibung des Promotionsvorhabens

Ziel des Promotionsvorhabens ist es, einen tieferen Einblick in die Arbeitsweisen und Lernstrategien von Studierenden beim Lernen von Hochschulmathematik zu erhalten. Es ist hinlänglich bekannt, dass sich die Hochschulmathematik durch ihren deduktiven Aufbau wesentlich von der den Studienanfängern vertrauten Mathematik unterscheidet, woraus sich für die Studierenden große Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule zur Hochschule ergeben (vgl. etwa Moore, 1994 oder Gueudet, 2008). Fast jede Hochschule bietet mittlerweile Vor- oder Brückenkurse an, die die Studierenden auf das Studium vorbereiten sollen. Zudem gibt es einige Projekte, die durch Anpassung der Lehrveranstaltungen (Beutelspacher et al. 2011), ausführliche Musterlösungen (Ableitinger & Herrmann, 2011) etc. die Einstiegshürde verkleinern wollen.

Das Lernen in der Hochschule unterscheidet sich aber nicht nur hinsichtlich des Aufbaus des Stoffes und seiner Präsentation in der Vorlesung, sondern auch in der Art des selbstständigen Lernens (z.B. Wild, 2005). So ist der für das Selbststudium vorgesehene Zeitanteil an der Hochschule wesentlich höher und viel weniger angeleitet, als noch in der Schule. Darüber, wie diese Zeit genutzt wird gibt es nur vereinzelte Studien. Im Kontext des Mathematikstudiums untersucht Rose Vogel in ihrer Dissertation (Vogel, 2001) die Lernstrategien von Grund-, Haupt-, Sonder- und Realschullehramtsstudierenden und berichtet ein durch Wiederholen und kleinschrittiges Überwachen geprägtes Lernen.

Das Lernverhalten Studierender der Studiengänge Bachelor und gymnasiales Lehramt in Mathematik sind noch weitestgehend unerforscht und soll im hier dargestellten Promotionsvorhaben untersucht werden. Allerdings scheint es sinnvoll die Arbeitsweisen nicht vollständig isoliert, sondern im Kontext möglicher diese bedingender Faktoren zu betrachten und auf dieser Grundlage die Lernhandlungen zu rekonstruieren. Wild (2000) identifiziert als wesentliche Bedingungen für die Anwendung von Lernstrategien die subjektive Konstruktion der Lernaufgabe (vgl. auch Vögele 2004), die motivationale Regulation und die Regulation der Handlungsdurchführung. Hier versprechen insbesondere die subjektive Konstruktion der Lernaufgabe und die daraus resultierenden Lernziele Schlüssel für das Verstehen des Lernverhaltens im Mathematikstudium zu sein.

Insgesamt ergeben sich also für das Forschungsvorhaben vorläufig folgende Fragestellungen:Anhang

  • Wie nutzen Studierende die Zeit ihres Selbststudiums? Welche Lernmaterialien (Vorlesungsmitschrieb, Übungsaufgaben, Bücher, Internet etc.) verwenden sie?
  • Welche Ziele verfolgen sie beim Lernen und welche Lernstrategien verwenden sie, um diese zu erreichen?
  • Welche Bedingungen für verschiedene Lernhandlungen und –ziele lassen sich identifizieren und wie wirken sich diese aus?
  • Wie verändert sich die Arbeitsweise der Studierenden im Laufe des ersten Studienjahrs?
  • Kann man Empfehlungen für gute Arbeitsweisen formulieren?

Die empirische Grundlage zur Untersuchung dieser Fragen bilden Experteninterviews (Gläser & Laudel, 2010), die mithilfe der Grounded Theory (Strauss & Corbin 1990) ausgewertet werden. Im WS 2013/14 und SS 2014 wurden dazu zwölf Studierende im ersten Studienjahr der Studiengänge Mathematik Bachelor und gymnasiales Lehramt Mathematik zu vier Zeitpunkten befragt. Um mögliche Einflussfaktoren für das spätere Lernverhalten zu identifizieren, lag der Fokus des ersten Interviewzeitpunkts (etwa zwei Wochen vor Semesterbeginn) auf den Studienwahlmotiven, den Erwartungen und den aus der Schule gewohnten Arbeitsweisen. Zum zweiten Messzeitpunkt (in der 4. und 5. Studienwoche) waren die Arbeitsweisen in der Vorlesungszeit und die Lernziele zentrale Themen. Zum dritten Messzeitpunkt (in den letzten beiden Wochen des ersten Semesters) wurden die Arbeitsweisen in der Vorlesungszeit und das (geplante) Klausurlernen besprochen. In der Mitte des Sommersemesters 2014 lag der Fokus schließlich auf den Einflüssen der Klausurerfahrung auf das Lernverhalten. Um mögliche Auswirkungen einer ab dem WS 2014/15 in Kassel eingeführten Änderung des Curriculums zu untersuchen und die gewonnen Kategorien auszuschärfen wurden bzw. werden im Studienjahr 2014/15 erneut Interviews zu den beschriebenen Zeitpunkten geführt.

Publikationen

Göller, R., Rück, H.-G. (2014): Studienwahlmotive und Beliefs zu Beginn des Mathematikstudiums. In: Beiträge zum Mathematikunterricht 2014, Münster: WTM-Verlag.

Göller, R., Kortemeyer, J., Liebendörfer M., Biehler, R., Hochmuth, R., Krämer, J., Ostsieker, L., Schreiber, S. (2013): Instrumentenentwicklung zur Messung von Lernstrategien in mathematikhaltigen Studiengängen. In: Beiträge zum Mathematikunterricht 2013, Münster: WTM Verlag.


Ansprechpartner

Robin Göller
Universität Kassel

Raum:         0406
Telefon:      0561 804-4763
Email:         goeller(at)khdm(dot)de